Wildau als Wirtschaftsstandort

Wildau ist im Land Brandenburg ein ganz besonderer Wirtschaftsstandort. Das ist Wildau strenggenommen schon seit über 100 Jahren. Vor dem 1. Weltkrieg wurde in Wildau eine der modernsten und größten deutschen Lokomotiv-Fabriken errichtet (Produktionsaufnahme Herbst 1900), und zwar durch die BMAG. Berliner Maschinenbau AG, vorm. L. Schwartzkopff. Die letzte Lokomotive wurde im Herbst 1945 ausgeliefert. Ende der 40er Jahre wurde das Wildauer Werk nach Demontage und Zerstörung der für die Kriegsproduktion genutzten Kapazitäten neu ausgerichtet auf Schwermaschinenbau. Der Wildauer Schwermaschinenbaubetrieb hatte für die DDR-Wirtschaft insgesamt eine große Bedeutung. Als Produktionsmittelproduzent und -lieferant und als Exportbetrieb – immerhin Verkäufe im Laufe der Zeit in 36 Länder, darunter auch „NSW“, z.B. in die Bundesrepublik Deutschland.

Nach der sog. „Wende“ erlebte die Wildauer Wirtschaft einen schweren Einbruch, geriet in eine schwere Strukturkrise – wie die ostdeutsche Wirtschaft insgesamt. Das war eine Folge der Spezifik der Wirtschaftsentwicklung in der DDR (u.a. Blockierung notwendiger Modernisierungen) und der konkreten Gestaltung des Übergangs zur Marktwirtschaft nach Wende und Wiedervereinigung (u.a. radikaler Übergang der DDR-Wirtschaft in die Bedingungen des freien, globalen Marktes am 01.07.1990 – über Nacht Einführung der D-Mark). In Wildau ging nach einigen erfolglosen „Zuckungen des Ertrinkenden“ der große Schwermaschinenbaubetrieb in die Insolvenz. Damit gingen ca. 3.000 hochqualifizierte und relativ gut bezahlte Arbeitsplätze in Wildau verloren. Zum Glück gelangen vor dem Untergang des Großbetriebes einige mittelständische Ausgründungen (u.a. Schmiedewerk, Kurbelwelle, Sondermaschinenbau). Die genannten Ausgründungen existieren noch heute, durchaus mit einigem Erfolg. Insgesamt schaffte es die Wildauer Wirtschaft ab Mitte der 90er Jahre aus der schweren Strukturkrise herauszukommen. Sowohl Wohnungsneubau im Zuge der sog. Suburbanisierung Berlins (Abwanderung von Berlinern ins Umland, in Wildau vor allem in den Röthegrund II), als auch die Errichtung des großen A10 Centers markierten die Trendwende, die bis heute anhält und inzwischen zur Überwindung der schweren Strukturkriese geführt hat.

Heute gibt es in Wildau über 6.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in unterschiedlichen Branchen, vom Einzelhandel (A 10 Center und andere – vergleichsweise sehr hohe Einzelhandelszentralität in Wildau) über Aus- und Weiterbildungsbetriebe, Bauindustrie, Maschinenbau, Luftfahrttechnik, bis hin zur IT-Branche. Wildau hatte Mitte 2016 439 Betriebe mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigen (lt. Bundesagentur für Arbeit). Und das Arbeitsplatzwachstum ist in Wildau seit Jahren ungebrochen. Jährlich mehrere hundert Arbeitsplätze Zuwachs.

Auszeichnung für die Stadt Wildau –
365 Orte im Land der Ideen.

Wildau ist heute wirtschaftsstrukturell sehr breit aufgestellt. Das ist positiv, weil dies zum einen zur wirtschaftlichen Stabilität Wildaus beiträgt, und weil die aktuelle Struktur in verschiedener Beziehung Synergie-Effekte zwischen den Betrieben möglich macht. Daneben gibt es natürlich auch Synergie-Effekte zwischen der Wildauer Wirtschaft und der Technischen Hochschule Wildau. Die besonderen Möglichkeiten des Zusammenwirkens innerhalb der Wildauer Wirtschaft und zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in Wildau macht die besondere Qualität und Anziehungskraft des Standortes Wildau aus. Diese Qualität sollte unbedingt erhalten bleiben. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren immer wieder moderierend daraufhin gewirkt, dass die Zusammenarbeit der Wirtschaft untereinander (u.a. durch den Wirtschaftsstammtisch des Bürgermeisters) und mit der Hochschule immer besser wird. 2007 wurden wir, Hochschule, Gemeinde/Stadt und Wildauer Wohnungsbaugesellschaft (WiWO) als „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“ ausgezeichnet.

Im Zusammenhang mit der positiven wirtschaftlichen Entwicklung steht ein Problem, dass in den nächsten Jahren schrittweise zunehmend an Gewicht gewinnen wird, in Deutschland insgesamt, aber eben auch in Wildau: der Fachkräftemangel! Sowohl die gute Konjunktur als auch die demographische Entwicklung (zu wenig Nachwuchs) bedingen den Fachkräftemangel. Dieses Problem ist deutschlandweit kaum lösbar, wird die Betriebe aber zunehmend belasten und ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihre Rentabilität gefährden. Um die knappen Fachkräfte wird der Wettbewerb der Unternehmen, aber auch der Kommunen weiter zunehmen. Wichtig ist die Attraktivität der Betriebe, wie der Kommunen, des Wirtschaftsstandortes, um die nötigen Fachkräfte zu bekommen. Die Bezahlung durch die Unternehmen ist wichtig, ebenso die Arbeitsatmosphäre in den Unternehmen, aber auch das Wohnungsangebot am Standort und das Niveau der sozialen Infrastruktur am Standort (Kita´s, Schulen, Freizeiteinrichtungen), auch das Niveau der technischen Infrastruktur (Straßen, Wege, Plätze u.s.w.) sowie schließlich auch das Image eines Standortes. Der Fachkräftemangel ist ein Problemfeld, bei dem Unternehmen und Kommunen eng zusammenarbeiten sollten. In Wildau gibt es Ansätze dazu, die in den nächsten Jahren noch ausgebaut werden sollten. Ich will dazu weiter beitragen!

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