Position der Stadt Wildau

Uwe Malich

Studie über die Position der Stadt Wildau in einem deutschlandweiten Vergleich

Gestützt auf eine riesige Datengrundlage der Bertelsmann Stiftung (www.wegweiser-Kommune.de) habe ich eine statistisch orientierte Studie zur Situation der Kommunen in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Stadt Wildau und ihrer Nachbar- bzw. Partnerkommunen im südöstlichen Umland von Berlin erarbeitet.

Inhaltliche Hauptziele der Studie waren: Die Bestimmung der relativen Position der Stadt Wildau, ihres Standes, in einem bundesweiten Vergleich, und die Klärung der (schon alten) Frage, ob der Osten, die ostdeutschen Kommunen, im gesamtdeutschen Konnex aufholen (können).

Die Ergebnisse sind sehr interessant und stimmen aus ostdeutscher Perspektive optimistisch. Die Untersuchung stützt sich auf eine Stichprobe von insgesamt 21 spannenden deutschen Kommunen (einschließlich Wildau). Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als 3.000 Städte und Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnern, die natürlich nicht alle ausgewertet werden konnten. Aber schon die statistische Auswertung der Stichproben lässt tief blicken und bringt für den kommunalen Alltag und für die Erkenntnis der Situation in Deutschland wichtige Ergebnisse. Die Bevölkerung in Deutschland ist in Bewegung. Die Bevölkerungswanderung zwischen den Städten und Gemeinden in Deutschland ist sehr intensiv. Das bedeutet auch, dass es in Deutschland eine relativ intensive Konkurrenz der Kommunen um Einwohner gibt, dabei vor allem auch um Fachkräfte. Von den 21 Stichprobe-Kommunen (davon 13 aus Ostdeutschland und 8 aus Westdeutschland) konnten zehn im Betrachtungszeitraum von 2003 bis 2014 ein Bevölkerungswachstum erreichen, elf Kommunen mussten in dieser Zeit Bevölkerungsverluste hinnehmen.

Die Stadt Wildau belegt in der entsprechenden Reihenfolge der Kommunen mit einem Bevölkerungswachstum von 2003 bis 2014 von knapp 7 % (= 6,95%) Platz 5. Vor Wildau liegen nur (Nachbar)Kommunen aus dem südöstlichen Berliner Umland. An der Spitze die Flughafengemeinde Schönefeld mit 15,99 % Bevölkerungswachstum im Betrachtungszeitraum, gefolgt von Bestensee mit 13,28 % und Zeuthen mit 10,38 % Zuwachs. Zwischen Zeuthen und Wildau ist noch Königs Wusterhausen mit 8,06 % Zuwachs platziert. Die Kommunen mit den höchsten Bevölkerungsverlusten in der Stichprobe im Betrachtungszeitraum sind Finsterwalde (Land Brandenburg, -14%), Unna (Nordrhein-Westfalen, NRW, -13,81%) und Sondershausen (Thüringen, -13,42%). Die ermittelten Werte sprechen sehr deutlich für die gegenwärtige ökonomische und soziale Situation im südöstlichen Umland von Berlin, Wildau inbegriffen. Die Bevölkerungsbewegung sagt zusammenfassend sehr viel aus über die Attraktivität der Kommunen aus der Sicht der Bürger. Attraktive Kommunen bekommen Zuwanderung. Weniger attraktive Kommunen erleiden Abwanderung. In der heutigen Zeit ist die wirtschaftliche Situation in der Kommune, insbesondere das Arbeitsplatzangebot, von besonderer Bedeutung für die Bewertung der Kommune.

Die frühere wirtschaftliche Lage in Ostdeutschland (von Anfang der 90er Jahre bis ca. 2011/12) hat diesem Kriterium hier noch ein besonderes Gewicht gegeben. In unserem Betrachtungszeitraum, hier von 1998 bis 2014, hat es in den 21 Stichprobe-Kommunen eine überwiegend positive Arbeitsplatzentwicklung gegeben. In 13 der 21 Kommunen hat es Zuwächse gegeben, dabei teilweise sehr starke Zuwächse. In 7 Kommunen dominierten im Betrachtungszeitraum die Arbeitsplatzverluste. Für Sondershausen liegen für einen Teil des Betrachtungszeitraums keine Angaben vor. Spitzenreiter bei der Arbeitsplatzentwicklung ist – nicht überraschend – die Flughafengemeinde Schönefeld, mit einem Zuwachs von 58% von 1998 bis 2014 (konkret bezogen auf das Wachstum in den drei 5–Jahreszeiträumen von 1998 bis 2003, von 2006 bis 2011 und von 2009 bis 2014). Hinter Schönefeld folgen Hückelhoven (NRW) mit 53,6 % Zuwachs, Wildau mit 49 % Zuwachs und Taufkirchen, südliches Umland von München, mit 39,7 % Zuwachs.

Den stärksten Arbeitsplatzverlust im Betrachtungszeitraum von 1998 bis 2014 erfuhr das mecklenburgische Teterow mit einem Minus von 12,9 % (aber auch in Teterow mit Tendenz zur Besserung). Die Arbeitsplatzentwicklung war zwischen den Kommunen stark unterschiedlich, aber insgesamt sehr positiv, wozu auch Wildau deutlich beigetragen hat. In einem engen Zusammenhang sowohl mit der Bevölkerungs- als auch der Arbeitsplatzentwicklung steht die Entwicklung der Arbeitslosigkeit, hier gemessen als Anteil der Arbeitslosen an den sog. Erwerbspersonen (diese ohne Selbständige, mithelfende Familienangehörige, Beamte und Studenten). Der Anteil der Arbeitslosen an den Erwerbspersonen ist in unserer Stichprobe von 2003 bis 2014 flächendeckend zum überwiegenden Teil deutlich gesunken. In Wildau hat sich der entsprechende Anteil mehr als halbiert, von 16,1 auf 7,9 %. Noch besser als Wildau in Bezug auf den Anteil der Arbeitslosen an den Erwerbspersonen sind in unserer Stichprobe die drei bayrischen Kommunen Geretsried (4,5%), Roth (5,4%) und Taufkirchen (5,8%) sowie Schulzendorf (5,0%), Zeuthen (5,5%),und Mittenwalde (6,0%) aus dem südöstlichen Umland von Berlin. In Bezug auf die Arbeitslosigkeit steht das südöstliche Umland von Berlin als Teil Ostdeutschlands insgesamt relativ gut da, fast auf bayrischem Niveau. Generell haben die Regionen um die großen Metropolen in Deutschland in ökonomischer Beziehung eine relativ starke Position. Schlusslichter hinsichtlich des Anteils der Arbeitslosen sind in unserer Stichprobe Finsterwalde, Land Brandenburg, mit 21,7 % in 2014, Schleswig im Bundesland Schleswig-Holstein mit 18,8 % sowie Teterow und Güstrow, beide Mecklenburg-Vorpommern, mit jeweils 16,2 %.

In Abhängigkeit von der ökonomischen Situation, insbesondere auch der Beschäftigungssituation, haben sich auch die Einkommensverhältnisse in den Kommunen verbessert. In der hiesigen Stichprobe hat sich die durchschnittliche Kaufkraft pro Haushalt von 2003 bis 2014 zum überwiegenden Teil deutlich verbessert – bei gleichzeitigem Rückgang der Haushaltsgröße, also der durchschnittlichen Personenzahl pro Haushalt. Nur in einer von den 21 Kommunen hat sich die Kaufkraft pro Haushalt von 2003 bis 2014 leicht verringert, im bayrischen Geretsried. Im brandenburgischen Wildau ist die Kaufkraft pro Haushalt von 2003 bis 2014 im Durchschnitt um 37,07 % gestiegen – Platz 7 in der Stichprobe dem Zuwachs nach. In Bezug auf die absolute durchschnittliche Kaufkrafthöhe pro Haushalt und Jahr liegt das bayrische Taufkirchen in 2014 vorn (56.600 €), gefolgt von Cochem an der Mosel (Rheinland-Pfalz) mit durchschnittlich 49.712 €, Schönefeld mit 47.966 €, Schulzendorf mit 47.049 €, Zeuthen mit 46.986 € und Geretsried mit 46.970 €. Immerhin gehört das ostdeutsche südöstliche Umland von Berlin einkommensseitig zur Spitzengruppe in Deutschland.

Die positive wirtschaftliche Entwicklung in den Kommunen wirkt sich natürlich auch positiv auf die Steuereinnahmen der Kommunen aus. Steigende Einkommen bedeuten ein höheres Einkommensteueraufkommen, woran die Kommunen anteilig partizipieren, round about mit knapp 15 %. Das kommunale Einkommensteueraufkommen durchschnittlich pro Einwohner der Kommune ist in allen 21 Stichprobe-Kommunen von 2006 bis 2015 zum Teil deutlich angestiegen. Spitzenreiter ist Taufkirchen, südlich von München gelegen, mit 664 € pro Einwohner in 2015. Es folgen Geretsried (550 €) und Roth (523 €), beide ebenfalls bayrische Kommunen. Die in dieser Beziehung stärksten ostdeutschen Kommunen sind Zeuthen (441 €) und Schönefeld (386 €), beide aus dem südöstlichen Umland von Berlin. Am schwächsten war das entsprechende Steueraufkommen pro Jahr und Einwohner 2015 in Sebnitz (Sachsen) mit durchschnittlich 189 €, Teterow (Mecklenburg-Vorpommern) mit 196 € und Finsterwalde (Brandenburg) mit 208 €. Wildau liegt mit 331 € im Mittelfeld (Platz 10) in der Stichprobe.

Etwas anders ist der Befund bei der Gewerbesteuer. Auch sie ist natürlich von der ökonomischen Situation in der Kommune abhängig. Bei diesem Steueraufkommen sind die Unterschiede zwischen den Kommunen wesentlich größer als bei der Einkommensteuer. Einsamer Spitzenreiter war beim Gewerbesteueraufkommen durchschnittlich pro Einwohner im Jahr 2015 die Flughafengemeinde Schönefeld mit 6.387 € pro Jahr. Das mit Abstand geringste Aufkommen gab es 2015 in Schönefelds Nachbargemeinde Schulzendorf mit nur 68 € pro Jahr und Einwohner. Vor diesem Hintergrund nimmt das zuständige Bundesland Brandenburg große Umverteilungsaufgaben zulasten von Schönefeld und zugunsten u.a. von Schulzendorf wahr. Schönefeld ist beim Gewerbesteueraufkommen pro Einwohner auch im gesamtbundesdeutschen Vergleich ein echter Spitzenreiter. Unter allen 3.047 bundesdeutschen Kommunen mit mehr als 5.000 Einwohnern erreichte Schönefeld in 2015 immerhin Platz 5.

Auch die kleine Stadt Wildau steht in wirtschaftlicher Hinsicht relativ stark da, jedenfalls gemessen am Gewerbesteueraufkommen pro Einwohner und Jahr. In der Stichprobe belegt die Stadt mit 507 € je Einwohner Platz 2. Und im gesamtdeutschen Vergleich mit Platz 507 von 3.047 Kommunen auch einen relativ respektablen Rang im Vorderfeld. Auch in Bezug auf die kommunale Steuerkraft insgesamt, also unter Einbeziehung noch der Grundsteuer A und B sowie der kommunalanteiligen Umsatzsteuer liegt Schönefeld in der Stichprobe mit großem Abstand vorn, gefolgt von den 5 bekannten und starken westdeutschen Kommunen Taufkirchen, Unna (NRW), Geretsried, Uelzen (Niedersachsen) und Roth, ehe es mit Wildau (in der Stichprobe Platz 7) wieder ostdeutsch weitergeht.

Insgesamt wurden in der Studie knapp 40 Indikatoren untersucht. Die Ergebnisse zeigen, Deutschland ist auf der kommunalen Ebene in Bewegung, in ökonomischer, in sozialer und in demografischer Beziehung. Die Lage in Deutschland ist kommunal sehr differenziert, aber insgesamt gibt es eine positive Entwicklung. Die Kommunen und ihre Bürger spielen dabei eine maßgebliche Rolle, gestützt nicht zuletzt auf eine ausreichende kommunale Steuerkraft. Das soll und muss so bleiben. Im Interesse der Entwicklung unseres Landes. Wildau ist vorn mit dabei!

Malich, Uwe
Deutschland verändert sich.
Die soziale und ökonomische Entwicklung auf kommunaler Ebene.
Eine Stichprobe im Spiegel der Statistik, München 2017.

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